Hermes Agent: Was der selbstlernende KI-Agent alles kann
Hermes Agent ist ein quelloffener KI-Agent von Nous Research, der dauerhaft läuft, eigene Fähigkeiten aufbaut und sich mit vielen KI-Modellen verbinden lässt.
KI-AgentenAutomatisierung
Hermes Agent ist ein quelloffener KI-Agent des Forschungslabors Nous Research, der im Unterschied zu einem Chatbot dauerhaft im Hintergrund läuft, statt nur auf einzelne Fragen zu antworten. Er lässt sich auf einem eigenen Server installieren, dort mit fast jedem KI-Modell verbinden und über die Zeit mit eigenen Fähigkeiten und einem persönlichen Gedächtnis ausstatten. Damit ist er weniger ein Chat-Fenster als eine kleine Automatisierungs-Zentrale, die rund um die Uhr Aufgaben übernimmt.
Was unterscheidet Hermes von einem gewöhnlichen Chatbot?
Ein klassischer Chatbot startet bei jeder neuen Unterhaltung bei null. Hermes Agent dagegen ist als autonomer Agent gebaut, der mit der Zeit fähiger wird, weil er sich Notizen macht, aus abgeschlossenen Aufgaben lernt und sich bei Bedarf selbst neue Fertigkeiten beibringt. Der Code liegt öffentlich auf GitHub, jede und jeder kann ihn einsehen oder mitentwickeln.
Technisch läuft Hermes nicht zwingend auf dem eigenen Laptop. Er unterstützt sechs verschiedene Betriebsarten, von der lokalen Installation über einen eigenen Server per SSH bis zu Cloud-Umgebungen wie Daytona oder Modal, die sich im Leerlauf automatisch schlafen legen und dadurch kaum Kosten verursachen. Bedienen lässt er sich über die Kommandozeile oder über mehr als 20 Messaging-Plattformen wie Telegram, Discord, Slack oder WhatsApp, alle über dieselbe zentrale Instanz.
Wie sieht die Desktop-App aus?
Die Hermes-Desktop-App gibt es für macOS, Windows und Linux. Sie zeigt links eine Übersicht deiner Projekte und Unterhaltungen, in der Mitte den Chat mit dem Agenten und rechts eine Vorschau, die Webseiten, Dateien oder Werkzeug-Ausgaben direkt anzeigt. Ein Datei-Browser lässt dich verfolgen, welche Dateien der Agent gerade liest oder schreibt, während er im Hintergrund arbeitet. Eine Sitzung, die du in der Desktop-App startest, läuft nahtlos in der Kommandozeile weiter und umgekehrt.
Programmieraufgaben erledigt Hermes dabei nicht über einen separaten Code-Editor, sondern über seine eigenen Werkzeuge: Er kann Dateien direkt bearbeiten, Befehle ausführen und über passende Skills sogar Commits erstellen und Pull Requests auf GitHub eröffnen. Wer bereits mit Claude-Code-Skills gearbeitet hat, erkennt das Prinzip wieder: Der Agent lädt bei Bedarf ein Wissenspaket nach, statt jede Fähigkeit fest einzubauen.
Was bedeutet «läuft rund um die Uhr» in der Praxis?
Der grösste Unterschied zu einem Werkzeug, das nur auf Zuruf in einer einzelnen Sitzung arbeitet, ist die Dauerbetriebs-Fähigkeit von Hermes. Zwei Bausteine machen das nutzbar:
Geplante Aufgaben (Cron): Du kannst Hermes in normaler Sprache anweisen, etwas regelmässig zu tun, zum Beispiel «Prüfe jeden Morgen um 9 Uhr die Neuigkeiten zu einem Thema und schick mir eine Zusammenfassung auf Telegram.» Solche Jobs können dabei einzelne oder mehrere Skills laden, damit die Aufgabe nicht jedes Mal neu beschrieben werden muss.
Webhooks: Hermes kann auch von aussen angestossen werden. Ein eingebauter Server nimmt signierte Ereignisse von Diensten wie GitHub, GitLab oder Stripe entgegen und startet daraufhin automatisch einen passenden Agentenlauf, der zum Beispiel einen Kommentar auf einer Pull Request hinterlässt oder eine Nachricht verschickt. In der Praxis wird das oft genutzt, um neue Einträge in einem Tool wie Notion automatisch prüfen und einordnen zu lassen, sobald sie auftauchen.
Wie lernt Hermes dazu?
Hermes führt zwei kleine, begrenzte Notizdateien: eine für Fakten über seine Arbeitsumgebung und erledigte Aufgaben, eine für dein persönliches Profil mit Vorlieben und Kommunikationsstil. Beide werden bei jeder neuen Sitzung automatisch eingeblendet, sodass der Agent nicht bei null anfängt. Ergänzend kann eine tiefere Nutzerprofilierung namens Honcho dazukommen, die Vorlieben über mehrere Sitzungen hinweg verdichtet.
Für wiederkehrende Aufgaben legt Hermes sogenannte Skills an, kleine Wissenspakete, die als Slash-Befehl aufgerufen werden können. Mit dem Befehl /learn reicht es, einen Link zu einer Dokumentation oder einem Artikel in den Chat zu kopieren. Hermes liest die Quelle selbstständig und baut daraus einen neuen, wiederverwendbaren Skill, ohne dass jemand von Hand eine Anleitungsdatei schreiben muss. Diese Skills folgen einem offenen Standard und lassen sich deshalb auch mit anderen Agenten austauschen, die denselben Standard unterstützen.
Mit welchen KI-Modellen funktioniert Hermes?
Hermes ist ein sogenannter Harness: ein Gerüst, das ein KI-Modell steuert, aber selbst kein eigenes Modell mitbringt. Verbinden lässt es sich über den hauseigenen Nous Portal, der mehrere Hundert Modelle unter einem Abo bündelt, über OpenRouter, direkt über OpenAI oder über praktisch jeden anderen kompatiblen Anbieter. In der Praxis heisst das: Für anspruchsvolle Aufgaben lässt sich ein teures Spitzenmodell einsetzen, für einfachere Routineaufgaben ein günstigeres offenes Modell, etwa eines der über OpenRouter verfügbaren Open-Source-Modelle. Diese Wahl lässt sich sogar pro Aufgabentyp getrennt einstellen, sodass zum Beispiel Bildanalyse oder das Zusammenfassen von Webseiten auf ein anderes, kleineres Modell laufen als die Hauptunterhaltung.
Wie sicher ist der Betrieb?
Weil ein dauerhaft laufender Agent auch dauerhaft Befehle ausführen kann, hat Hermes ein mehrstufiges Sicherheitskonzept eingebaut. Dazu gehören unter anderem eine Zulassungsliste dafür, wer den Agenten überhaupt ansprechen darf, eine Freigabepflicht für riskante Befehle, eine Sandbox für Datei-Schreibzugriffe und eine Container-Isolation über Docker oder ähnliche Technologien. Ein separater Modus prüft zudem eingelesene Projektdateien auf versteckte Anweisungen, die den Agenten manipulieren könnten.
Wer Hermes trotzdem produktiv auf einem eigenen Server betreibt, tut gut daran, diese eingebauten Schutzmechanismen zu nutzen und den Server zusätzlich klassisch abzusichern: also in einem eigenen, isolierten Container laufen zu lassen und den Zugriff über ein verschlüsseltes privates Netzwerk statt über offene Ports im Internet zu regeln. Genau solche Grundsatzfragen, welche Werkzeuge welche Daten sehen dürfen, gehören auch in eine KI-Richtlinie fürs Unternehmen, sobald ein Agent wie Hermes an echte Firmendaten oder Systeme angebunden wird.
Für wen lohnt sich Hermes Agent?
Am meisten profitieren Personen mit etwas technischem Grundverständnis, die eine wiederkehrende Aufgabe wirklich automatisieren wollen, statt nur ab und zu eine Frage zu stellen. Ähnlich wie beim Agent-Modus von ChatGPT Work übernimmt der Agent dabei ein ganzes Ziel über mehrere Schritte hinweg, statt bei jeder Teilaufgabe neu angestossen zu werden. Der Unterschied liegt im Dauerbetrieb: Wo ein Agent in einer einzelnen Sitzung nach getaner Arbeit wieder verschwindet, bleibt Hermes auf dem eigenen Server aktiv und reagiert auch dann, wenn niemand gerade zuschaut.
Für den Einstieg in KI-Agenten allgemein, ohne gleich einen eigenen Server aufzusetzen, eignen sich einfachere Werkzeuge oft besser. Genau diesen praktischen Umgang mit KI-Agenten im Arbeitsalltag üben wir bei KI Kompetent in unseren Kursen in Gebenstorf bei Baden.
Häufige Fragen
Was ist Hermes Agent in einfachen Worten? Hermes Agent ist ein quelloffenes Programm von Nous Research, das eine KI-gesteuerte Automatisierung dauerhaft im Hintergrund laufen lässt. Statt nur auf einzelne Chat-Nachrichten zu antworten, kann er geplante Aufgaben ausführen, auf Ereignisse aus anderen Diensten reagieren und sich dabei über die Zeit ein eigenes Gedächtnis und neue Fähigkeiten aufbauen.
Ist Hermes Agent kostenlos? Der Agent selbst ist Open-Source-Software und damit kostenlos nutzbar. Kosten entstehen für den Server, auf dem er läuft, und für das KI-Modell, das er ansteuert, etwa über ein Modell-Abo oder eine nutzungsabhängige Abrechnung bei einem Anbieter.
Brauche ich Programmierkenntnisse für Hermes Agent? Die Einrichtung mit einem Installationsbefehl und die Bedienung über Chat-Nachrichten sind ohne Programmierkenntnisse machbar. Für den Betrieb auf einem eigenen Server, die Container-Absicherung und tiefere Anpassungen hilft technisches Grundverständnis aber deutlich.
Was unterscheidet Hermes Agent von ChatGPT? ChatGPT ist in erster Linie ein Chat-Produkt eines einzelnen Anbieters. Hermes Agent ist ein modellunabhängiges Gerüst, das mit verschiedenen KI-Modellen verschiedener Anbieter verbunden werden kann und speziell dafür gebaut ist, dauerhaft auf einem eigenen Server zu laufen statt nur während einer aktiven Chat-Sitzung.
Ist Hermes Agent sicher genug für den Firmeneinsatz? Hermes bringt mehrere eingebaute Sicherheitsebenen mit, etwa Freigabepflichten für riskante Befehle und Container-Isolation. Für den Firmeneinsatz braucht es zusätzlich klare Regeln, welche Daten und Systeme der Agent überhaupt anfassen darf, und ein sauber abgesichertes Server-Setup.
Hermes Agent zeigt, wohin sich KI-Werkzeuge gerade entwickeln: weg vom reinen Chat-Fenster, hin zu Systemen, die eigenständig über längere Zeiträume arbeiten. Wer selbst Server betreibt und automatisieren will, findet darin ein mächtiges, aber auch anspruchsvolles Werkzeug. Für den Einstieg in den praktischen Umgang mit solchen KI-Agenten im Berufsalltag, ohne selbst gleich einen Server aufzusetzen, zeigen wir dir im KI Kompetent WORK Kurs die Grundlagen.